Türkei 2013 - Südostanatolien und Kappadokien

Nochmals hallo zusammen,

der Kalender erinnert uns, das wir bereits fast zwei Monate unterwegs sind. Der Bezug zur Zeit geht so langsam verloren, zumal auch das konstante, warme Wetter keine Hinweise auf das bevorstehende Ende des Sommers liefert.
Unser letzter Positionsreport kam vom Van Gölü. Der 1720 m hoch gelegene abflusslose See ist etwa siebenmal größer als der Bodensee und besticht durch sein außergewöhnliches türkisfarbenes Wasser. Wäre das Wasser nicht so kalt, könnte man von einem Badeparadies schwärmen. So haben wir es beim Sonnenbaden belassen und nutzten die Gelegenheit einen Ausflug auf die Insel Akdamar zu unternehmen. Das kleine Eiland liegt rund 40 km von Van entfernt und beherbergt eine bekannte armenische Kirche, eines der meistfotografierten Motive der Osttürkei.

Übernachtung am Restaurant Grand Deniz am Van See

Übernachtung am Restaurant Grand Deniz am Van See

Heiligkreuzkirche auf der Insel Akdamar im Van See

Heiligkreuzkirche auf der Insel Akdamar im Van See


Von hier waren es dann nur etwa 100 km bis zur Stadt Tatvan, am Westufer des Sees gelegen. Die Stadt ist bis heute von ausländischen Touristen " verschont". Kaum zu glauben, denn hier kann man das türkische- oder richtiger das kurdische Leben noch in Reinkultur erleben. Unzählige kleine Handwerksbetriebe, Geschäfte und Restaurants säumen die engen Strassen. Auch hier begegneten uns die Menschen äußerst freundlich und hilfsbereit. Drei Tage standen wir mit unserem Wohnmobil auf einem öffentlichen Parkplatz mitten im Leben. Waren wir zu Hause konnten wir uns vor neugierigen Besuchen kaum retten. Schön mit all den Menschen in Kontakt zu geraten, aber auch anstrengend. Privatsphäre gibt es eigentlich keine mehr. 
Tatvan ist auch der ideale Ort um den 25 km nördlich der Stadt gelegenen Vulkan Nemrut Dagi zu besichtigen. Ein Ausflug in den von hohen Felswänden eingeschlossenen Krater ist ein absoluter Tipp. Da die Strasse mit dem Wohnmobil nicht befahrbar ist, organisierten wir uns einen Führer samt PKW und erlebten gemeinsam einen wunderbaren Tag in der einsamen Bergregion. Mit Ugur unserem 21 jährigen kurdischen Guide hatten wir viel Freude. Begleitet von (sehr) lauter kurdischer Musik chauffierte er uns über unmögliche Strassen hinauf zum Krater, zeigte uns warme Quellen und glasklare Bergseen. Bei einem Picknick am Lagerfeuer fühlten wir uns in einen Karl May Film versetzt. Den Tag ließen wir später gemeinsam in unserem Wohnmobil ausklingen.

Vulkankrater am Nemrut Dagi

Vulkankrater am Nemrut Dagi


Von Tatvan fuhren wir dann an den Tigris weiter. Unweit der irakischen Grenze liegt (noch) der traumhaft gelegene Ort Hasankeyf. Der Ort wie aus einem Bilderbuch hat jedoch mehr Geschichte als Zukunft. In wenigen Jahren soll durch den Bau des Ilisu-Staudamms der Ort geflutet werden. Unfassbar! Hier am Tigris zu wandern hat schon einige Gefühle freigesetzt und gerne hätten wir hier mehr Zeit verbracht. Leider haben uns auch hier aufdringliche Kinder vertrieben. Die fehlende Infrastruktur für Wohnmobile, besonders hier im wilden Osten, macht uns zunehmend zu schaffen. Schade!
Nächste Station Midyat. Die 55 Tausend Einwohner Stadt, unweit der syrischen Grenze gelegen, hat uns ebenfalls sehr beeindruckt. Hier ist es nicht die Lage der Stadt, sondern die besondere Atmosphäre in der Stadt. Christen und Moslime, Kurden und Türken leben hier friedlich und selbstverständlich neben und miteinander. Christliche Kirchen recken ihre Türme neben den vielen Minaretts in den Himmel. Es geht also doch! Nirgendwo sonst sind wir von so vielen Menschen auf der Strasse angesprochen worden. Viele vormals vertriebene Christen, die inzwischen wieder aus Deutschland und anderen Ländern nach Hause zurück gekehrt sind, wollten uns ihre Heimatstadt zeigen und hießen uns herzlich willkommen. Wo gibt es das denn sonst?

Zum Untergang verdammt - Hasankeyef

Zum Untergang verdammt - Hasankeyef

Im Stadtzentrum von Midyat

Im Stadtzentrum von Midyat


Dann fuhren wir weiter nach Westen, immer unmittelbar an der syrischen Grenze entlang. Die Strassenkontrollen durch Polizei, Militär und Jandarma wurden häufiger, aber nie unangenehm. Manchmal sahen uns Furcht erregende Kerle, bis unter die Zähne bewaffnet, an, trotzdem hatten wir nie ein unsicheres Gefühl. Kurzer smal talk, freundliches Durchwinken, "no Problem" war die Standardantwort, wenn wir uns nach der Sicherheitslage erkundigten.
Sanliurfa (200 km nordöstlich von Aleppo) war unsere nächste Station. Schade, dass ich bereits alle Superlative benutzt habe. Die Stadt ist wirklich unfassbar. Wie keine andere Stadt besitzt Urfa den Zauber des Morgenlandes. Herzlich willkommen im Alten Testament, herzlich willkommen im Nahen Osten. Die glühend heiße Stadt am Nordrand der mesopotamischen Tiefebene ist Tummelplatz allerlei Völker: schwarzäugige Araber mit um den Kopf geschlungenen Tüchern, Kurden mit bauschigen Pumphosen und verschleierte Wallfahrerinnen. 
In Urfa, der Stadt des Propheten, soll Abraham das Licht der Welt erblickt und Hiob seine Leiden ausgestanden haben. In der Stadt gibt es ca. 100 Moscheen und der Muezin ruft seine Gläubigen lautstark und sehr melodisch und dazu live zum Gebet. Das im Dunkeln im Wohnmobil zu erleben - Gänsehaut pur sag ich euch. Hier hätte man sicher einige Wochen verbringen können.

Willkommen im Morgenland - Sanliurfa

Willkommen im Morgenland - Sanliurfa

Begegnung in Sanliurfa

Begegnung in Sanliurfa


Inzwischen sind wir gut 400 km weiter nordwestlich angekommen. Die Landschaft ist jedem bekannt. Kappadokien! In Göreme stehen wir auf dem wohl schönsten Campingplatz der Türkei und erholen uns seit einer Woche von den vielen Erlebnissen. Wir wandern soweit die Füße tragen durch die herrlichen Täler und genießen auch hier das schöne Wetter. Gestern haben wir uns eine Ballonfahrt über die bizarre Felsenlandschaft gegönnt. Bei Sonnenaufgang lautlos über diese traumhafte Landschaft zu fahren, zusammen mit weiteren 100! Ballonen ist ebenfalls unvergesslich. Wir sind wirklich dankbar dies alles erleben zu können.

Naturwunder Kappadokien

Naturwunder Kappadokien

Ballonfahrt über Göreme

Ballonfahrt über Göreme


Morgen reisen wir weiter zum Mittelmeer, jetzt ist Baden angesagt. In der Nähe von Silifke treffen wir uns mit Freunden und freuen uns einige Tage oder Wochen gemeinsam zu verbringen. Die Wettervorhersage: Sonnig und 30 Grad!

Liebe Grüsse senden Christa, Hermann und Jackson