Türkei 2013 - Entlang der Schwarzmeerküste

Hallo zusammen, da sind wir wieder!

Heute sind wir vier Wochen unterwegs (wie die Zeit vergeht!). 3600 km haben wir inzwischen zurückgelegt, wir befinden uns jetzt in der Nähe von Trabzon an der östlichen Schwarzmeerküste.

Aber der Reihe nach:

Von Safranbolu steuerten wir unser Wohnmobil nach Amasra, das zweifellos schönste Städtchen der Schwarzmeerküste. Die 6500 Einwohner zählende Stadt wird vorwiegend von türkischen Urlaubern besucht. Die touristische Infrastruktur steckt hier noch in den Kinderschuhen. Einen Wohnmobilstellplatz oder gar einen Campingplatz sucht man vergeblich. Wir parken unser Gefährt auf einem öffentlichen Parkplatz direkt im Hafen. Beste Aussicht auf das Meer und den Strand inklusive. Unser Hund Jackson aber auch das Wohnmobil sind für zwei Tage die Attraktion im gut besuchten Urlaubsort. Unzählige Fragen zur Hunderasse und zur Technik des Wohnmobils wollen beantwortet werden. Einladungen zum Chai, dem bekannten Tee, der hier zu jeder Gelegenheit getrunken wird, nehmen wir dankend an. Trotz der großen Hitze erkunden wir Amasra bei Tag und Nacht ausgiebig. Die Stadt besitzt ein gewisses Flair, allein schon aufgrund ihrer Lage an einer malerischen Bucht. Der Blickfang auf der gerade einmal 200 Meter breiten Landzunge sind die wuchtigen Wehrmauern eines byzantinischen Seekastells.

Eine Perle am Schwarzen Meer - Amasra

Eine Perle am Schwarzen Meer - Amasra

Entlang der Küstenstraße reisten wir weiter Ostwärts, nächstes Ziel die Stadt Sinop. Das schreibt sich hier so flott. Ganz anders war allerdings der Weg dort hin. Die Küstenstraße entlang des Schwarzen Meeres ist ein Traum was die landschaftliche Schönheit angeht. Unvergessliche Aussichten auf das blaue Meer (Erkenntnis: Das Schwarze Meer ist gar nicht schwarz😄), dichte Laubwälder und verschlafene Ortschaften begleiten uns. Die Küstenstraße ist aber gleichzeitig auch ein Alptraum. Gefühlte 10000 Kurven wollten auf schmaler, schlecht geteerter Strasse gemeistert werden. Belastungsgrenzen für Mensch, Tier und Material wurden spürbar. Am Ende hat es sich dann doch gelohnt. Irgendwann wird es dieses Abenteuer nicht mehr geben. Dann wird auch diese Strasse durch den modernen Schwarzmeer Highway ersetzt worden sein.

Die Fahrt nach Sinop teilten wir in zwei Etappen auf. Unterwegs übernachteten wir in Doganyurt, ein kleiner urtürkischer Ort irgendwo. Ein Übernachtungsplatz ist in diesen Ortschaften immer zu finden, auch wenn man manchmal zu später Stunde freundlich gebeten wird umzuparken, da das schöne Fleckchen für den morgigen Basar benötigt wird. Machen wir doch gerne!
Nach regenerierendem Tiefschlaf kämpften wir uns am nächsten Morgen dann dennoch zwischen Gemüseständen und jeder Menge Trödel hindurch, winkende Hände verabschieden uns.

Übernachtungsplatz in Doganyurt

Übernachtungsplatz in Doganyurt


Nun endlich waren wir in Sinop angekommen. Sinop ist eine jugendliche Stadt auf einer weit vorspringenden Landzunge gelegen mit schönen Stränden in der Umgebung. Die exponierte Lage am nördlichsten Punkt der türkischen Schwarzmeerküste bescherte Sinop während des Kalten Krieges einen amerikanischen Horchposten, der den Funkverkehr im Reich des Bösen abhörte. Längst vergangene Zeiten! Oder doch nicht?
In einer weiten Bucht finden wir den Campingplatz Marti, unsere Bleibe für eine Woche. Durch unsere Freunde Udo und Sabine angekündigt, wurden wir bereits erwartet und freundlichst begrüßt. Hier folgen wir unserem Konzept vom Urlaub im Urlaub. Zur Freude von Jackson stehen ausgiebige Strandspaziergänge an, wir baden zu Dritt im warmen Meer. Mit dem Roller erkunden wir die Stadt und machen die ein oder andere Versorgungsfahrt um unsere Lebensmittelbestände wieder aufzufüllen. Ein Friseur findet sich natürlich auch, ein Besuch dort ist ein besonderes Erlebnis. Das Ergebnis ist Nebensache, schließlich kennt uns hier keiner!
Erfreulicherweise sind wir auf dem Campingplatz nicht ganz alleine. Wir lernen interessante Typen kennen. Manuela und Heiko aus Aschaffenburg, unterwegs mit ihrem alten T2 für ein Jahr nach Indien. Laura und Christoph der Reiseschriftsteller sind bereits mehrere Jahre mit dem Motorrad unterwegs, ihr Ziel ist Australien. Auch Thomas der Architekt braucht eine Auszeit, er ist mit dem Motorrad in den Iran aufgebrochen. Wir haben viele, manchmal schon philosophische Gespräche. Die aussergewöhnlichen Begegnungen werden in Erinnerung bleiben.

Campingplatz Marti in der Nähe von Sinop

Campingplatz Marti in der Nähe von Sinop


Nach den erholsamen Tagen in Sinop ging es dann weiter dorthin wo wir jetzt sind. Über den Küstenhighway passierten wir die Großstädte Samsun und Trabzon. Durchfuhren Anbaugebiete von Tabak, Haselnüssen und Tee. Ab morgen drehen wir dann in's Landesinnere, wir werden dann bestimmt eine andere, traditionellere Türkei kennen lernen. Bisher sind wir von der Gastfreundschaft der Türken begeistert, von ihrer Offenheit und Westorientierung überrascht.
Die unzureichende Campinginfrastruktur können wir kompensieren, sind wir doch überall willkommen.

In zwei Wochen wollen wir an der armenischen Grenze wieder nach Westen drehen. Dann melden wir uns wieder.

Bis dahin allaha ismarladik aus Ostanatolien von Hermann, Christa und Jackson